Indie und wiegender Pop trifft auf die rauchige Note von Folk – Beginn ab 20:30

Viele Künstler versuchen die bekannten Pop-Schemata zu durchbrechen. Oft klingt es dann nach am- bitionierter Pseudo-Avantgarde, die darauf stolz ist sich vom sogenannten Kommerz zu distanzieren.

Scotch & Water bilden hier eine der wenigen Ausnahmen. Sowohl Songstruktur als auch Instrumen- tierung entsprechen nicht der Apathie des Rushhour-Radioprogramms und fordern den Zuhörer
– ohne ihn zu überfordern. Die lyrische Raffinesse des Hamburger Quartetts manifestiert die Ambiti- onen dieser jungen Band.

Samira Christmanns charaktervolle Stimme wird von Hansjakob Wedemeyers Gitarrenriffs gefühlvoll umrahmt. Multiinstrumentalist Max Quentmeier setzt immer wieder Ausrufezeichen – mal mit einem E-Gitarrensolo, mal mit seiner Oktavmandoline oder seinem Höfnerbass. Damit all dies zur rechten Zeit kommt, hat man in Lasse Weinbrandt einen Schlagzeuger gefunden, der Dank seines Jazz-Hin- tergrunds Time und Feel vereint – eine seltene Gabe. Während des Livespiels gibt es immer wieder Formationsänderungen – gefühlt spielen alle alles. Eine Band, die um die mannigfaltigen Möglich- keiten der Soundkreierung weiß und diese versiert einsetzt. Der Motown-anmutende Sound entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem jahrelangen Kompagnon und Produzenten Dennis Bajer – das im Hintergrund agierende fünfte Mitglied der Band.

Ein Beweis hierfür ist auch die erste Veröffentlichung, die am 30.03.2018 das Licht der Welt erblickt – liebevoll auf 7 Inch Vinyl gepresst, limitiert auf 250 Exemplare. Running/Time erzählt von einer lethargischen Welt und die Wut darauf – vom Verstecken und Ausbrechen. Es sind kluge Richtungs- wechsel, die lyrisch und kompositorisch nicht antizipiert werden und dennoch im Ohr bleiben.

Scotch & Water ist das Resultat, wenn Freunde die musikalischen Möglichkeiten eines jeden Ein- zelnen ausschöpfen und Emotionen ins Zentrum ihres Schaffens stellen. Kurzum: diese Band muss man für 2018 und darüber hinaus im Auge behalten.